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Zur Geschichte des
Gasthof Hertigswalde
181 Jahre Gastlichkeit in Hertigswalde
Es war einmal .... ein Erbgericht mitten in Hertigswalde mit der Befugnis zum Beherbergen, Schenken, Musik- und Tanzhalten. Das Gasthaus lag jedoch hoch oben auf einer Anhöhe abseits der Dorfstraße. Den Gästen war der Aufstieg über die Lindenallee zu beschwerlich. Sie kehrten lieber in zwei anderen Schänken des Ortes ein. Der Erbrichter, es war Gottlieb Böhme, beschwerte sich 1829 bei behördlicher Stelle und beide von ihm als Leihschänken bezeichneten Gasthäuser mußten schließen. Zwei Jahre danach begann die Geschichte des Gasthof Hertigswalde. Erblehnrichter Böhme wurde am 26. Januar 1831 die Genehmigung erteilt, in einen kleinen Bauernhof gegenüber des Erbgerichtes direkt an der Straße Bier und Brandwein auszuschenken.
Später übernahm der Sohn Louis Böhme den Gasthof Hertigswalde. Er bewirtschaftete mit seiner Frau Elenora das Gasthaus und den ca. 17ha großen Bauernhof. Herr Böhme starb 1880. Seine Frau verkaufte das Anwesen für 48 Tausend Taler an den Hertigswalder Gutsbesitzer Friedrich Karsch. Er verpachtete das Wirtshaus an den Eisenbahnarbeiter Josef Reichelt.
Eine Geschichte aus damaliger Zeit: Es war am Abend des 5. Januar 1876 gegen 11 Uhr, als der Kutscher des Gutsbesitzers Schuster den kleinen Tanzsaal im Gasthof Hertigswalde betrat. Dort fand ein von mehreren Gutsbesitzern aus Polenz veranstaltetes kleines Tanzvergnügen statt. Die Herrschaften fühlten sich durch den einfachen Kutscher belästigt. Mehreren Aufforderungen den Saal zu verlassen widersetzte er sich energisch. Schließlich ergriff ihn sein Herr und steckte ihn zum Saal hinaus. Hier auf dem Vorsaal und später in der unteren Hausflur wurde der Kutscher handgreiflich. Er teilte einige Schläge aus. Erst der herbeigeeilte Wirt und einige Gäste konnten den Mann überwinden. Geknebelt und gefesselt holten der Gemeindeälteste Hesse und der Gemeindediener den armen Fuhrwerkslenker ab. Sie lieferten ihn zum Arrest bei dem Königlichen Gerichtsamte in Sebnitz ab. Der Gutsbesitzer verlangte eine angemessene Bestrafung für den unberechtigten Zutritt. Das waren noch Zeiten!
Anfang 1893 kauften Ernst und Ernestine Richter das Grundstück und erhielten im selben Jahr von der Amtshauptmannschaft Pirna den Erlaubnisschein zum Betreiben der Schankwirtschaft. Sie bauten einen neuen Saal (siehe Postkarte) an das alte Bauernhaus an und im ersten Stock sechs Fremdenzimmer ein. Der Sohn Karl Richter vergrößerte 1911 den Saal auf die dreifache Grundfläche. Aus dem einfachen Dorfgasthaus wurde ein weit bekanntes Tanzlokal. Erster Weltkrieg, Inflationszeit, die Weltwirtschaftskriese, zweiter Weltkrieg, 40 Jahre Planwirtschaft und nun schon wieder mehr als 15 Jahre nach der Wiedervereinigung prägten den Gasthof Hertigswalde bis zum heutigen Tag.
Heute ist der Gasthof Hertigswalde ein zwei Sterne-Hotel mit ca. 30 Betten und Restaurant mit vielfältigem Angebot.
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